Nur 48 Stunden in… Innsbruck

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Dass ich Städtereisen liebe, ist nichts Neues, aber reichen 48 Stunden, um eine Stadt zu entdecken? Normalerweise bin ich der Typ Mensch, der sich lieber 3, 4 oder 5 Tage in einer Stadt aufhält, um sie richtig zu erkunden und auf den Geschmack zu kommen. Meistens brauche ich ungefähr einen Tag, um mich mit einer neuen Stadt einzugrooven. Aber ich habe das Experiment “nur 48 Stunden” in Innsbruck gewagt und bin doch erstaunt, was alles in diese beiden Tage gepasst hat.

Dabei hatte ich sogar mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen, denn mein Hotel, das ADLERS Hotel machte mir nicht gerade einfach, mein Zimmer zu verlassen. Als ich am Donnerstagabend ankam, konnte ich die schicke Einrichtung des Zimmers bewundern. Aber ich ahnte schon, dass der Ausblick aus dem riesigen Panoramafenster im 11. Stock mich am nächsten Morgen aus den Socken hauen würde. Ich täuschte mich nicht. Sogar ich alter Langschläfer werde morgens früh wach und sah im Dämmern vom Bett aus auf die Nordkette. Was für ein An- und Ausblick. Ich kann mich gar nicht satt sehen, eine gute Stunde später stehe ich schweren Herzens auf und gehe zum Frühstück. Auch hier kann ich den Blick kaum von den schneebedeckten Bergen lösen. Ob ich dieses Hotel vor Sonntag überhaupt verlassen werden? Irgendwann am späten Vormittag setze ich tatsächlich den ersten Schritt auf die Straßen Innsbrucks.

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Ein paar Dinge möchte ich mir gern ansehen, aber vor allem will ich schauen, ob ich irgendetwas in Innsbruck wieder erkennen werde. Schließlich war ich vor *hust* 23 Jahren im zarten Alter von 10 Jahren schon einmal hier. Damals  für einen Tag, mit meinen Großeltern. Doch die Erinnerungen sind blass. Ich habe das Goldene Dachl vor meinem inneren Auge und die Skischanze am Bergisel. Vor dem Goldenen Dachl stehe ich tatsächlich schon bald wieder als ich meinen Weg vom Vorabend noch einmal gehe. Ich bummle durch die Altstadt bis zur Ottoburg, wo ich am Abend zuvor diese verdammt leckeren Schlutzkrapfen gegessen hatte. Und schon stehe ich an der Innbrücke. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und grünlich schlängelt sich der Inn durch die Stadt inmitten dieser herrlichen Bergkulisse. Ja, es ist ein bisschen kitschig, aber auf die schöne Weise. Vor der Reise hatte ich mich noch gefragt, ob sich die große Nähe zu den Bergen wohl bedrückend anfühlen würde, doch ganz im Gegenteil. Irgendwie fühlt es sich sogar beruhigend an, den Blick immer wieder auf den Bergen ruhen lassen zu können. Während ich meinen Gedanken nachhänge, schwebt ein Flugzeug langsam über der Stadt herein. In dem Moment bin ich fast ein bisschen traurig, dass die Anreise aus München so kurz und unproblematisch ist. Der Anflug auf die Stadt muss spektakulär sein.

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Aber ich tröste mich, dass ich heute auch noch hoch hinaus kommen werden. Nicht so hoch wie ein Flugzeug, aber immerhin so um die 2000 Meter. Aber vorher drehe ich noch eine Runde über den Weihnachtsmarkt, besuche eine Fotoausstellung mit wunderbaren Schwarz-Weiß-Aufnahmen des finnischen Fotografen Pentti Sammallahti in der Galerie FO.KU.S im Stadtforum und gehe im Audioversum den Geheimnissen des menschlichen Gehörs auf den Grund. Die Zeit vergeht wie im Flug. Nun muss ich mich aber beeilen, damit ich es noch rechtzeitig zur Nordkettenbahn schaffe. Mit der Standseilbahn geht es hinauf zur Station “Hungerburg”. Hier oben wartet ein kleiner Weihnachtsmarkt auf mich, wo ich mir den ersten Kiachl meines Lebens und einen Punsch mit Aussicht auf die Stadt genehmige. Das Leben ist schön. (Kiachl sind übrigens frittierte Hefefladen, wahlweise mit Marmelade oder Sauerkraut. Mir hat’s mit Sauerkraut saugut geschmeckt.)

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Frisch gestärkt geht’s mit der Seilbahn weiter hinauf, bis zur Seegrube. Hach, ich hätte den Stopp auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Rückweg einlegen sollen. Für die letzte Etappe, die Fahrt zur Bergstation “Hafelekar” reicht es leider nicht mehr. Aber auf der Seegrube ist es auch schön. Die Sonne geht hinter den Bergen unter und ich sehe die Lichter der Stadt immer heller leuchten. Die perfekte Gelegenheit, mich mal wieder ein bisschen ab der Langzeitbelichtung versuchen. Mit meinen eiskalten Händchen nicht ganz einfach, aber auch nicht unmöglich. Irgendwann wird’s mir dann aber doch zu zapfig und ich mache mich auf den Weg in Richtung Talstation. Durchgefroren bleibe ich auf dem Weg zum Hotel im “Café Central” hängen und probiere den Kaiserschmarren. (Meinen mag ich immer noch lieber.)

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Die netten kleinen Geschäfte schließen leider schon recht früh, so dass ich beschließe, den Abend ruhig angehen zu lassen und den Wellnessbereich im Hotel zu testen. Immerhin ist er fast neben meiner Zimmertür. In der Sauna, aus der man selbstverständlich auch den Ausblick genießen kann, wäre mich wieder auf und hole mir die nötige Bettschwere.

Mein zweiter Tag beginnt quasi wie der erste. Allerdings bleibe ich dieses Mal “nur” eine halbe Stunde im Bett liegen. Für heute steht der Bergisel auf dem Programm. Aber vorher will ich noch den Stadtturm erklimmen. Der Weg in die Innenstadt ist heute ein wenig beschwerlicher, denn einige Busladungen Touristen scheinen unterwegs zu sein. Zum Glück will sich kaum jemand die Mühe machen, die zig Stufen auf den Turm zu klettern. Der Aufstieg lohnt sich. Denn neben Ruhe gibt es wieder einen herrlichen Ausblick über Stadt und Berge. Ich kann mich einfach nicht satt sehen daran und am liebsten würde ich hier oben bleiben, um dem Getümmel zu entgehen. Aber kaum bin ich unten entwische ich in eine der Altstadtgassen, kaufe in einem urigen Schnapsladen noch einen leckeren Birnenbrand und mache mich auf den Weg zum Bergisel. Unterwegs komme ich an vielen schnuckeligen Läden vorbei und ich wünschte, ich hätte genug Platz im Gepäck, um ein bisschen Shoppen zu können.

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Gemütlich gehe ich den Berg hinauf und mache auf einer Bank rast, auf der ich denselben Ausblick habe wie 1991. Zehn Minuten später bin ich dann auch schon an der Bergiselschanze, wo jedes Jahr das 3. Springen der Vierschanzentournee ausgetragen wird. Der Wiedererkennungswert geht gegen null, denn die Schanze wurde 2002/03 neu gebaut. Der Neubau gefällt mir richtig gut. Ach ja, und die Aussicht von oben… Ohne Worte. <3

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Tja, und mit dem Rückweg vom Bergisel ist meine Zeit in Innsbruck quasi vorbei. Ich spaziere gemütlich über die Marie-Theresien-Straße und ein letztes mal durch die Altstadt zurück zum Hotel und ziehe meinen Koffer wehmütig gen Bahnhof. Innsbruck, es war mir ein Vergnügen und ich komme ganz bestimmt mal wieder. Denn in 2 statt 4 Tagen wird man von einer Stadt richtig guten Stadt nicht satt, aber holt sich ordentlich Appetit auf mehr. Beim nächsten Mal komme ich aber mit leerem Koffer, um ausgiebig in den bezaubernden kleinen Lädchen zu stöbern.

Viele Erinnerungen an meine frühere Innsbruck-Reise sind leider nicht wach geworden. Aber wozu gibt es alte Fotos und eine Oma, die alle Geschichten dazu erzählt? :)

Blick vom Bergisel über Innsbruck und zur Nordkette Innsbruck-23 Innsbruck

Disclaimer: Zu dieser Reise wurde ich eingeladen von Tirol Werbung. Vielen Dank dafür!

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3 comments » Write a comment

  1. Wahnsinn, was Du alles in der kurzen Zeit geschafft hast. Ich bin dafür immer viel zu bummelig und hänge dann in Bars und Caffes herum, genieße und beobachte…

  2. Ich glaube ich muss auch nochmal dringend nach Innsbruck. Genau, nochmal. Jetzt, wo ich Bergiselschanze lese, fällt es mir wieder ein. Ich war vor Jahren mal mit meinen Eltern auf der Durchreise da und stand oben auf der Schanze. Mehr weiß ich leider nicht mehr – ergo, ich muss nochmal hin. Schon wegen der leckeren Schlutzkrapfen … :)

    Liebe Grüße
    Christina

  3. Pingback: 7 Blogposts, die Du lesen solltest: Reise-Apps, Schlösser, Rucksackpacken, Leoparden und mehr | TravellerblogTravellerblog

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